Au revoir y ola! Und eine Stressfraktur

Etappe 36: Tarnos - Hondarribia (50,1 km)

7:30 Frühstück mit mehr Auswahl als in jedem Hotel bisher, es ist sensationell, was der Hausherr an Brot-, Croissant-, Brioche- und Kuchenvarianten auffährt. Während ich esse, überschüttet er mich mit neugierigen Fragen. Würde mich nicht wundern, wenn der Funke übergesprungen ist, und er sich bald auch auf den Weg macht. Sein Vater ist den Camino Frances schon gegangen, wie er mir gestern berichtete.

8:30 Ich laufe los, kühl und diesig, recht bald komme ich in den Grossraum Bayonne, es geht in einer komischen Mischung aus Strassenrand, Fuss- und Fahrradweg immer weiter nach Westen. Unterwegs komme ich an einem Fahrradgeschäft vorbei. Dort finde ich zwar keine Bremse, die passt, für fünf Euro entschliesse ich mich aber, eine unpassende zu kaufen, vielleicht kann ich ja was zusammenfrickeln.


11:10 Es ist soweit: Ich bin am Atlantik angekommen. Zwar keine Sonne, aber trotzdem irgendwie überwältigend. Ich frage mich, wie das früher gewesen sein muss, wenn jemand das erste Mal das Meer sieht.

Ansonsten ist Biaritz erschreckend. Das südfranzösische Pendant zu Monaco (oder Bad Homburg). Hier kommen die Reichen zum Sterben hin. Auch wenn sie sich damit Zeit lassen. Es stinkt nach Geld und Unzufriedenheit.


Weiter südlich mischen sich Surfer ins Bild. Aussteiger, die in umgebauten Transportern (um das Campingverbot zu umgehen) oder Zelten am Strandrand leben. Wenn jemand 20 ist, kann ich das verstehen, mit 40 ist das eher traurig. "And then one day you find ten years have got behind you, no one told you when to run, you missed the starting gun" singt Pink Floyd so passend (über beide Gruppen).


15:00 Ich bekomme schon mal einen Vorgeschmack auf das, was mich in der nächsten Woche erwarten wird: Berge. Auf und ab, mitunter recht steil geht es weiter, über St. Jean de Luz und immer wieder malerisches Küstenpanorama.

16:30 Es knackt laut. Das ist nicht gut. Nach ziemlich genau 1500 km der erste Ausfall. Ein Bolzen an meinem Buggy gibt den Geist auf. Nix gut. Ich fixe das Problem temporär mit dem Haken eines Spanngurtes und werde wohl bald mal einen Baumarkt aufsuchen.


17:50 Au revoir. Schluss mit Frankreich. Über die Jakobusbrücke quere  ich - völlig unspektakulär - nach Spanien. Und Frankreich? Keine Sorge, ich bin nicht gallophil geworden. Ausnahmslos alle Franzosen, die ich getroffen habe, waren ausgeprägt freundlich und hilfsbereit. Und ich habe in vielen Bereichen gelernt, wie das Land und die Leute ticken und was ich erwarten kann. Aber eben auch, was ich nicht erwarten kann. Und das ist immer noch recht viel. Würde ich noch mal (freiwillig) nach Frankreich in Urlaub fahren? Ein definitives Ja. Das nächste Mal wissend, was gut, was schlecht, und was gar nicht funktionieren wird.


Und jetzt? 25 Tage Spanien. Ich bin sicher nicht so naiv zu glauben, dass die Sachen, die in Gallien nicht funktionieren, hier besser klappen, aber zumindest kann ich bin etwas besser verständigen.

18:30 Ich komme im Hotel an, schön, zentral, sehr laut, aber egal, heute habe ich gute Laune. Nach ein wenig Bastelei funktioniert auch meine Bremse. Wie gut, wird sich zeigen.

"Ich laufe nach Spanien". Habe ich gesagt. Und getan.  




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